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5 Jahre Pikler Spielraum und Gesprächsraum
Datum: 2018-06-15
Autor: Elisabeth Salmhofer

5 Jahre Pikler Spielraum und Gesprächsraum – ein Resümee einer Familie in meinem SpielRaum

Mein zweites Kind wird morgen das letzte Mal den Spielraum besuchen. Mit Wehmut und Dankbarkeit blicke ich auf diese Stunden zurück. Es ist eine ganz besondere Atmosphäre, die im Spielraum zu spüren ist. Ein Atmosphäre der unbedingten Akzeptanz für alles was passiert, das alles sein darf und dass es jemand gibt, der darauf achtet, dass niemand verletzt wird, sei es seelisch oder körperlich. In so einer Atmosphäre ist Entwicklung und Wachstum möglich. Für die Mamas und Papas, die ihre Kinder in den Spielraum begleiten und natürlich besonders für die Kinder…

Wie bin ich eigentlich in den Spielraum gekommen? Ich blicke 5 Jahre zurück und befinde mich mit meinem ersten Kind in einer PEKIP Stunde. Besonders glücklich sind wir dort nicht. Es ist Winter und mein Kind hasst es, nackt ausgezogen zu werden und mit verschiedenen Spielsachen bespaßt zu werden. Inzwischen hasse ich es auch, trotzdem gehe ich jede Woche hin und hoffe, dass mein kleiner Racker irgendwann Gefallen an dieser Art von Förderung findet… Dort komme ich mit einer anderen Mama, Christiane ins Gepräch, sie erzählt, dass sie die Pikler Spielraum Stunden besucht, und dass das vielleicht eher zu uns passen würde. Neugierig frage ich nach, was dort so passiert. Sie sagt, man braucht nur ruhig an der Wand zu sitzen, die Kinder machen, was sie wollen und, wenn es zu heftig wird, greift die Spielraumleiterin ein. Ich frage, ob man selber auch eingreifen kann, wenn es zu wild wird. „Nein, das macht nur die Gruppenleiterin“, ist die Antwort. Ich bin skeptisch und auch ein bisschen misstrauisch, ob mein Kind da auch wirklich beschützt und geschützt wird. Da Christiane aber immer wieder begeistert erzählt, melde ich uns an.

Ich ahne nicht, dass dies unser aller Leben extrem beeinflussen würde…. Das sich viele meiner Einstellungen zum Leben, zur Erziehung, wirklich radikal verändern würden….

Die ersten Spielraumstunden verlaufen entspannt. Mein Sohn findet immer wieder ein Spielzeug, das ihn interessiert. Es kommen weniger Konflikte mit den anderen Kindern auf, als ich erwartet hätte und wenn, werden diese von Elisabeth ruhig und unglaublich einfühlsam gelöst. Ich beginne mich zu entspannen und lasse mich auf diesen Prozess ein.

Das erste Problem, das ich im Gesprächsraum anspreche, sind die schlaflosen Nächte. Wie fast alle Mamas habe auch ich ein Kind, welches nicht durchschläft, schwer einschläft, unruhig ist… Da ich plane, nach einem Jahr wieder arbeiten zu gehen, bin ich gierig auf Tipps, und höre mir an, was Elisabeth so erzählt.

Sie erklärt uns, dass die Babys, die nicht durchschlafen fast immer unter Spannungen leiden, dass diese Spannungen durch weinen abgebaut werden müssen, und dass ein Baby, dass genug weinen darf, keine Spannungen mehr hat, und dann problemlos durchschläft.

Jetzt klingt das alles völlig logisch und natürlich für mich, damals habe ich diese Erklärung für völlig absurd gehalten. Ich habe immer versucht, das Weinen meines Sohnes sofort zu beenden, durch tragen, durch füttern, hopsen auf den Petziball, Kinderwagen schieben und dem Schnuller. Es war für mich und meinen Mann sehr schwer auszuhalten, wenn er geweint hat. Eine Nacht konnten wir ihn nicht beruhigen und sind sogar ins SMZ-Ost gefahren. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, Michael hat es gereicht und er wollte endlich alles loswerden, sich ausschreien, und es hätte gereicht, wenn jemand bei ihm gesessen wäre, und ihm zugehört hätte. Im SMZ-Ost haben sie eh nichts gefunden, ihm aber vorsichtshalber einen kleinen Einlauf verabreicht. Wir mussten dort bleiben, bis etwas in der Windel war und sind wieder nach Hause gefahren.

Durch die stetige Wiederholung in den Gesprächsräumen über die Wichtigkeit des Weines und wie gut die Kinder dann schlafen, begann mein innerer Wiederstand geringer zu werden. Michael durfte weinen, einmal hat er einen halben Spielraum lang durchgebrüllt. Elisabeth hat uns begleitet. Es war für mich sehr schwer es auszuhalten und einfach zuzuhören. Das Gefühl, dass es völlig in Ordnung ist, hatte ich dann erst bei meinem 2ten Kind. Die durfte von Anfang an weinen, wurde auch nicht mit dem Schnuller ruhig gestellt, und ich hörte ihr zu. Sie schlief durch ca. ab dem 2 Monat. Nicht jede Nacht, aber doch sehr oft. Ich erinnere mich, dass ich sie niedergelegt habe, sie begann zu weinen, ca. 15-20 Min jede Nacht, ich blieb bei ihr und nach dem Weinen ist sie eingeschlafen. Zufrieden und entspannt. Am Spielplatz habe ich damals mit einer befreundeten Mama geredet. Sie hatte auch Kinder im gleichen Alter wie meine Kinder und war völlig erledigt, weil ihr Baby so schlecht schlief. Sie erzählte, was sie alles tat. Das Kind war eigentlich fast immer im Tragetuch, Schnuller war auch fast immer in Gebrauch. Vorsichtig erzählte ich ihr, das ich Marie weinen lasse und dass sie danach super schläft. Sie hat mich angeschaut, als ob ich völlig durchgeknallt wäre. Sie wollte, sich dann auch nicht mehr mit mir treffen. Vor ein paar Wochen hab ich sie zufällig getroffen. Die Tochter schläft immer noch nicht durch, die Mama schaut sehr abgezehrt aus.

Ich habe auch Eltern kennengelernt, die stundenlang abends autofahren, damit das Kind endlich zu weinen aufhört und einschläft. Es ist traurig, dass viele Menschen keinen positiven Zugang zum Weinen haben und es immer abstellen und vermeiden wollen.

Auch mein eigener Zugang zum Weinen hat sich seit der Spielraumzeit verändert. Ich kam früher nur ganz schwer ins Weinen. Ich trug meinen Kummer als schweren Klumpen im Herzen, aber es kamen keine erlösenden Tränen. Das hat sich verändert. Manchmal kann ich jetzt weinen und ich bin sehr dankbar, wenn ich es kann. Ich fühle mich, wie neugeboren, wenn ich geweint habe.

Eigentlich wollte ich ursprünglich nur ein Kind. Die Beziehung mit meiner Schwester ist seit meiner Kindheit konfliktbeladen. Die Gesprächsabende haben mir Mut und Lust auf ein zweites Kind gemacht. Ich habe es nie bereut. Hier wurden Wege aufgezeigt, wie man die Geschwisterbeziehung positiv gestalten kann und Konflikte einfach reduzieren und lösen kann. Die wichtigsten Punkte für mich waren, meinen Sohn von Anfang an (ab Woche 10) in die Schwangerschaft einzuweihen und ihm immer wieder mal ehrlich zu erzählen, wie das dann mit dem Baby werden wird. Den ersten Konflikt gab es gleich bei der Einweihung. Er sagte verzweifelt: „Das ist mein Bauch. Ich war da drin. Das Baby muss raus.“ Es war für mich nicht einfach diese Ausbrüche zu begleiten, aber sehr wichtig. Ich denke, dass er eine Menge Frust schon in der Schwangerschaft verarbeiten konnte, und wir Eltern und er dann nicht alles nach der Geburt verarbeiten mussten. Wenige Wochen nach der Geburt kam allerdings nochmal ein Ausbruch: Die Schwester muss in die Mülltonne oder wir sollen sie ins Spital zurückbringen. Ich wusste im Moment keine Worte auf diesen Ausbruch und packte Marie in den Kinderwagen für einen Spaziergang. Michael wollte ich mit Papa alleine zuhause lassen. Woraufhin Michael in Tränen ausbrach und schrie, er habe es nicht so gemeint, ich soll sie bloß nicht wegbringen. Ab diesen Moment wusste ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ein Tipp aus dem Gesprächsraum, der Gold wert ist, ist der geschützte Spielbereich für die großen Geschwister, wo die Kleinen nicht hindürfen und die Bauwerke etc. geschützt vor Zerstörung bleiben. Dieser Bereich hat die Situation sehr entspannt. Inzwischen darf die kleine Schwester schon ab und zu in den geschützten Bereich auf Besuch. Darüber ist sie sehr glücklich.

Im Gesprächsraum wird wirklich für alle Probleme die mit Kindern auftauchen, eine Lösung gefunden. Michael hat sich mit ca. 1,5 Jahren gesträubt, einen Fahrradhelm aufsetzen zu lassen. Wir waren ratlos. Zwingen wollten wir in aber auch nicht. Elisabeth vermutete, dass der Druck des Helmes ihn an einen unangenehmen Moment in der Geburtssituation erinnerte und ich mit ihm die Geburt nochmal durchbesprechen sollte, ihm erklären, dass der Helm ihn an die Geburt erinnert, die aber jetzt vorbei sei. Gesagt getan. Wir hatten sehr berührende Momente, als wir darüber sprachen. Mit großen Augen ist er auf meinem Schoß gesessen und hat zugehört. Den Helm ließen wir einfach in Reichweite liegen, um ihn selber probieren zu lassen. Nach ca. 3 Wochen war das Aufsetzen des Fahrradhelmes kein Problem mehr. Diese Erfahrung hat mich bei meinem 2ten Kind bewogen, eine private Hebamme, die ich mir genau ausgesucht hatte, zur Geburt mitzunehmen. Die Geburtssituation beim ersten Kind ist leider sehr ungünstig gelaufen. Die diensthabende Hebamme hat ihr Ding durchgezogen, mich in einen Position gezwungen, die mir überhaupt nicht behagt hat (auf dem Rücken liegend, Beine nach oben in die Halter) und der Arzt hat von außen, zwar sehr sanft, aber dennoch mitgeschoben. Das Ganze war so unangenehm, dass ich eine intravenöse Betäubung benötigt habe. Die absolut ungeeignete Stellung hat den Geburtsprozess sinnlos in die Länge gezogen, und Michael hat sicher unnötige Schmerzen gehabt, als er sich durch den Geburtskanal bewegt hat. Ich überlege, dass ich mit Michael eine IPPE Babytherapie mache, um die Geburtssituation aufzuarbeiten. Auch davon, hätte ich ohne Gesprächsraum nie erfahren.

Ich bin dank des Spielraums mit so vielen Themen in Berührung gekommen, die mir sehr weitergeholfen haben: „Der Neufeld Ansatz für unsere Kinder“, „Original Play“ von Fred Donaldson, die“ Freie Bewegungsentwicklung nach Emmi Pikler“, IPPE Babytherapie usw. um nur einige zu nennen.

Eine Pädagogin im Kindergarten meiner Kinder, die mitgekriegt hat, dass ich den Pikler Spielraum mit beiden Kindern besucht habe, will jetzt auch die Pikler Ausbildung machen. Sie hat gesagt, dass meine Kinder im positiven Sinn anders sind als andere Kinder. Dass sie sehr gut von uns Eltern gefördert werden. Dass sie mit neuen Situationen gut umgehen können und sich trauen neue Dinge auszuprobieren. Ich bin sehr dankbar, dass ich im Spielraum sein durfte und kann es uneingeschränkt weiterempfehlen.

 

 


Buch Tipp
Datum: 2018-02-19
Autor: Elisabeth Salmhofer

Verwundete Kinderseelen heilen

Wie Kinder und Jugendliche traumatische Erlebnisse überwinden können

Peter A. Levine, Maggie Kline

 

Erste Hilfe für Kinderseelen

Ein Fahrradunfall, der Biss eines aggressiven Hundes, eine notwendige Operation oder die unmittelbare Erfahrung von Gewalt können bei Kindern traumatisierende Folgen haben. Gut, wenn Eltern, Erzieher, Lehrer, Ärzte und Therapeuten wissen, was dann zu tun ist.

 

Peter A. Levine zeigt, dass Kinder die Fähigkeit haben, belastende Erlebnisse zu verarbeiten, wenn sie von Erwachsenen liebevoll unterstützt werden. Schritt für Schritt beschreibt er:

• Was ist ein Trauma?

• Wodurch kann es in einem Kind ausgelöst werden?

• Welche erkennbaren Symptome gibt es?

• Wie beeinflusst ein ungelöstes Trauma die Entwicklung des kindlichen Gehirns?

 

Traumatisierte Kinder heilen – das bedeutet, Wunden zu verbinden, die von außen niemand sieht.

 

 


Digitale Medien als Spielverderber für Babys
Datum: 2017-05-31
Autor: Elisabeth Salmhofer

Ich freue mich über dieses Heft, da es wichtig ist, die Auswirkung unseres Verhaltens zu kennen.

Elisabeth Salmhofer

 

Unsere neu überarbeitete, farbige und erweiterte Broschüre „Digitale Medien als Spielverderber für Babys“ ist ursprünglich (vor neun Jahren) auf Wunsch von Hebammen entstanden, die einfach keine Argumente mehr hatten angesichts des überbordenden Handygebrauchs bei Geburt und Wochenbett. Damals ging es noch um den Handykonsum von Erwachsenen und dessen Wirkung auf Babys. Seit Smartphones omnipräsent sind und es Hunderte von Apps bereits für Säuglinge gibt, war es angesagt, das Konzept der Broschüre noch intensiver in Richtung Prävention auszurichten.

Zu den bekannten Fachleuten, die sich zum Thema äussern wie Gerald Hüther, Manfred Spitzer, Thomas Harms kommen auch neue Stimmen zu Wort aus Psychologie, Therapie im Bereich der emotionalen ersten Hilfe und der Medienpädagogik.

Die Broschüre ist verbreitet bei Hebammen und Stillberaterinnen, aber auch im Umkreis von Diagnose Funk u.ä. Da wir darin immer wieder auf die Pikler Pädagogik hinweisen, erfahren ganz neue Kreise von der grossen Chance zum achtsamen Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern.

Im Layout ist sie entsprechend dem berührenden Buch „Begleitungskunst in Eltern-Kind-Gruppen“.

Die Broschüre kostet Fr. 8.00 oder Euro 6.90 und hat 96S. Bestellungen auf www.spielraum-lebensraum.ch unter „Publikationen“ hier sind auch Buchbesprechungen zur „Begleitungskunst“ zu finden.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie zur Verbreitung der Broschüre beitragen könnten.

 

Mit freundlichen Grüssen

Im Namen des Vereins Spielraum-Lebensraum

Maria Luisa Nüesch

 

Auelistrasse 3  CH- 9470 Buchs,  Tel 081 771 72 67


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Übersicht

2018-06-15 5 Jahre Pikler Spielraum und Gesprächsraum
2018-02-19 Buch Tipp
2017-05-31 Digitale Medien als Spielverderber für Babys
2017-05-08 Autnomie als Lebenskonzept
2016-10-15 Interview mit Gordon Neufeld
2016-06-20 Gehirnforscher Gerald Hüther in "Frühstück bei mir
2016-06-20 Peg Perego Book Plus
2016-02-28 Babys liegend im Auto transportieren!
2015-09-08 Hilfe für Kaiserschnittkinder
2015-07-02 Offenen Achtsamkeitsabende in Wien
2015-07-01 Vortrag zum Thema: "Was ist bloß mit Mama los?"
2015-05-19 SpielRaum zum kennenlernen
2015-03-03 Spielraum oder wie das Leben so spielen könnte
2015-02-20 Selbst-bewusste Eltern für selbst-bewusste Kinder
2015-01-28 Einführungsgespräch für das Frühjahrssemester
2014-12-05 Unser Adventtreffen
2014-11-29 Kaiserschnitt
2014-11-10 Kindersitze im Auto
2014-10-25 Hunde-SpielRaum
2014-09-09 Seminar für PädagogInnen und Sonder- und Heilpädag
2014-09-03 Neuer Termin für Einführungsgespräch im Herbst
2014-08-27 Seminar mit Ute Strub
2014-07-19 Infoabend für neue Eltern
2014-07-13 Einführungsgespräche für den Herbst 2014
2014-07-02 Danke
2014-06-29 Die Website ist fertig!
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