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Hilfe für Kaiserschnittkinder
Datum: 2015-09-08
Autor: Elisabeth Salmhofer

von  | Jul 24, 2015 | Allgemein | 0 Kommentare

Mein Kaiserschnitt Kind

Stell Dir vor…

Du lebst in einer Unterwasser-Höhle, wie ein Fisch im Wasser. Du nimmst gedämpfte Geräusche, Musik und Stimmen wahr, die Abwechslung in Dein Leben bringen.

Wenn Du Hunger hast oder durstig bist, machst Du einfach Deinen Mund auf, und schluckst. Du verbringst Deine Zeit mit ein wenig schwimmen, Purzelbäumen, Daumen lutschen und fühlst deine Finger, Arme, Beine und so weiter.

Manchmal wirst Du auch etwas geschaukelt oder geschüttelt in Deiner Höhle. So vergeht die Zeit und Du wächst… oder hast den Eindruck, dass die Höhle kleiner wird.

Zeit für eine neue Welt

Irgendwann, schon lange kannst Du dich kaum mehr bewegen, versuchst Du einen Ort zu finden wo Du mehr Freiraum hast. Eine seltsame Kraft zieht Dich kopfüber nach unten, wo es irgendwie weiter zu gehen scheint.

Der Durchgang ist eng. Sehr, sehr eng. Aber Du verspürst einen hartnäckigen Drang eine grössere Höhle zu finden. Also schiebst Du an, mit aller Kraft und kannst jede Faser deines Körpers spüren. Plötzlich fliesst das Wasser aus und Du gibst was Du kannst, um diesen zu eng gewordenen Raum zu verlassen. Halb wirst Du irgendwie gezogen und geschoben, halb bewegst Du Dich aus eigener Kraft vorwärts. Du legst immer wieder eine Pause ein, denn diese Reise ist die grösste Herausforderung Deines Lebens. Dann versuchst Du es wieder und wieder.

Es kommt anders als erwartet

Plötzlich hörst Du von hinten seltsame Geräusche. So laut und scharf, wie Du das noch nie erlebt hast. Du bist noch ganz dabei das was Du hörst, irgendwie einzuordnen, als Du im nächsten Moment gepackt wirst und etwas kräftiges, hartes, zieht Dich in die entgegengesetzte Richtung als jene die Du vor Stunden eingeschlagen hast.

Und von einem Augenblick zum Nächsten landest Du in einem Universum das so gross und überwältigend ist, daß Du vollkommen fassungslos bist. Du spürst etwas in deinem Bauch, das heraus will. Es findet deinen Brustkorb und macht ihn eng und im nächsten Moment weit, es erreicht Deinen Hals und deinen Kopf und plötzlich hörst Du etwas, wofür du noch keine Kenntnis, kein Erleben und keinen Namen hast. Du schreist.

Kannst Du dir das vorstellen?

Ich konnte es nicht. Zumindest nicht im Detail.

Und ich hatte auch keine Idee davon, dass die Art der Geburt beim Kind einen so prägenden Eindruck hinterlassen könnte.

Erst viel später fiel mir auf, dass sich bei unserem Sohn bestimmtes Verhalten immer wieder als Muster zeigte. Die Art wie er sich zum Beispiel mit Herausforderungen abmühte. Mit grosser Anstrengung und der Vorstellung „das schaffe ich niemals“. Und Jahre später wurde mir klar, dass dieses Geburtserlebnis noch viele weitere Schwierigkeiten für die Entwicklung eines Kindes bedeuten kann.

Ich wusste es einfach nicht und niemand hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ja, es stimmt, manchmal hat man keine Wahl. Wenn ich aber nochmals in diese Lage käme, wüsste ich…

Was ein Kaiserschnittbaby zu bewältigen hat.

Gewaltsames Herausziehen mit Eingriff in seine Privatsphäre.

Desorientierung – durch Bewegung in die Gegenrichtung.

Nicht dem Baby gelingt die Geburt.

Den plötzlichen, schockierende Übergang in eine neue, fremde Welt.

Die fehlende Körpererfahrung vom sich durchzwängen, wovon sowohl das Körpergefühl und die Körperspannung abhängt, aber auch die weitere Bewegungsentwicklung.

Dass das Kind berührungsempfindlich sein kann.

Schwierigkeiten bei der Stressbewältigung, schreckhaft und schnell frustriert.

Es kann empfindlich auf Überraschungen reagieren.

Probleme einen eigenen Rythmus zu finden, sowie durch Angst, Wut, Ungeduld und Frust immer wieder heftig aus dem Gleichgewicht geraten.

Auf all das wäre ich vorbereitet gewesen. Nicht um mir Selbstvorwürfe zu machen oder Sorgen zu wälzen, denn es war wie es war. Aber ich wäre aufmerksamer für die Entwicklung meines Kindes.

Was ich heute für mein Kaiserschnittbaby tun würde.

Achtsam auf seine Bedürfnisse, vor allem nach Nähe, Kontakt aber auch Ruhe reagieren.

Von Anfang an und besonders bei Herausforderungen, bewusst auf die Kraft der Mutter-Kind-Bindung setzen.

Ich würde Informationen einholen, wie ich meinem Kind zu einem guten Körpergefühl helfen kann.

Herausfinden welche Art der Berührung ihm wohl tut.

Auch wenn mein Baby die Worte nicht versteht, würde ich mit ihm über die gemeinsame Geburtserfahrung sprechen.

Sein Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl durch direktes, freundliches Feedback stärken.

Auf Struktur und Rhythmus achten und ihm dadurch Sicherheit vermitteln.

Es im gemeinsamen Spiel lustvoll herausfordern, einladen, ermutigen und inspirieren.

Alles das würde ich tun. Für mein Kind, für seine Entwicklung, für mich selbst und für unser Zusammenleben.

Sicher hätte ich damit nicht alle Probleme vermeiden können, aber so manche Hürde wäre leichter oder entspannter zu bewältigen gewesen. Denn wenn ich weiss wo mein Kind gerade steht und was ich als Mama oder Papa zur Entwicklung beitragen kann, bringt das mehr Gelassenheit ins Familienleben.

Der Link zu meinem Blog: http://biglittlesteps.at/mein-kaiserschnitt-kind/



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